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Geleitwort des Museumsdirektors |
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Aus Liebe zum Museumswesen und aus einer tiefen Verbindung zum Nationalen Palastmuseum heraus, in der Hoffnung, die Expertise des Nationalen Palastmuseums weiter anzuheben und junge Museumsbeamte heranzubilden, hat Frau Dr. Chou Kung-shin die von ihr gegründete Abteilung für Aufbaustudien der Fakultät für Museumsstudien der Fu-Jen-Universität verlassen und ist dem Ruf zurück ins Nationale Palastmuseum gefolgt, wo sie bereits 27 Jahre gedient hatte, angefangen als Museumsführerin, dann als Sekretärin der beiden Museumsdirektoren Chiang Fu-tsung und Ch’in Hsiao-yi und schließlich 16 Jahre lang als Leiterin der Ausstellungsabteilung. Als Museumsdirektorin ist sie bereit, die Mission des Museums zu übernehmen und an der Spitze der Museumsmitarbeiter am Aufbau der Zukunft zu arbeiten. Als Frau Kung am 20. Mai dieses Jahres ihr Amt offiziell übernahm, trat sie dieses ganz alleine an, d. h. sie brachte keine vertraute Person mit ins Amt. Bereits am folgenden Tag trat sie bei einer Besprechung vor die Personalversammlung und breitete vor den festen und freiwilligen Mitarbeitern des Museums auf der Grundlage der Betriebsführungsideen der modernen Museumswissenschaft ihre Pläne für die künftige Entwicklung des Museums aus. Nachfolgend sind Ausschnitte aus dieser Rede: Den besonderen Charakter des Museums beibehalten und die Zukunft aufbauen Die wichtigste Aufgabe der Museumsleitung ist es zunächst, die Mission des Museums zu bestimmen, ist die Mission klar, dann kann auch die Richtung der künftigen Entwicklung klar umrissen werden. In Museumskreisen spricht man gern davon, dass “die Sammlung das Herz eines Museums ist”. Das Herz des Nationalen Palastmuseums ist die Sammlung aus Antiquitäten und Kunstwerken Chinas, die Funktion des Nationalen Palastmuseums ist es, diese Sammlung zu verwalten, aufzubewahren, zu erforschen, auszustellen und mit ihrer Hilfe Erziehungsarbeit zu leisten, nur so kann die Mission des Museums erfüllt werden und so zeigt sich ganz natürlich die Besonderheit des Museums. Dies ist eine äußerst klare Entwicklungsrichtung, wenn man diese jedoch aufgibt, sieht man sich vor viele Probleme gestellt, die die Entwicklung behindern. Ich bin zurückgekommen, um gemeinsam mit Ihnen die Mission des Nationalen Palastmuseums zu übernehmen und mit großen Schritten in die Zukunft zu gehen. Im Folgenden will ich einige Punkte ansprechen, die wir gemeinsam angehen müssen. Die Industrialisierung des Museums Infolge der blühenden Entwicklung der internationalen Museumslandschaft der letzten Jahre ist die Tendenz der “Industrialisierung der Museen” und umgekehrt der musealen Darstellung von Industrien hervorgetreten. Hersteller nutzen die fünf Funktionen von Museen, nämlich die Funktionen der Sammlung, Erforschung, Ausstellung, Erziehung und Aufbewahrung, um ihrer Industrie ein gutes Image zu verschaffen. Nehmen wir als Beispiel die deutsche Autofirma Volkswagen, die 700 Millionen DM ausgegeben hat, um einen Autopark mit einem Automuseum einzurichten, in dem Oldtimer aus der ganzen Welt ausgestellt sind, die das Leben der Menschen beeinflusst haben, so dass die Besucher die Beziehung zwischen der menschlichen Zivilisation und den Autos verstehen lernen. Darüberhinaus werden mit Hilfe von Multimedia und vielen unterschiedlichen Modellen das Design, die Innen- und Außenaustattung, die Stoffe, Lederbezüge und Lacke von Autos, Aufprallversuche, umweltfreundliche Autos und Autos der Zukunft vorgestellt und damit ein Firmenimage geschaffen, das Sicherheit, Qualität, Umweltbewußtsein und gesellschaftliche Verantwortung beinhaltet. Am Ende des Museumsrundgangs kommt man schließlich in die Verkaufshalle. Das Automuseum hat seit seiner Eröffnung schon unzählige Besucher angezogen und nicht nur zu einer Verbesserung des Markenimages von Volkswagen beigetragen, sondern auch dem Standort Wolfsburg beträchtliche Einnahmen aus dem Fremdenverkehr verschafft. Dies ist ein erfolgreiches Beispiel, wie eine Industrie sich ein Museum zu Nutzen gemacht hat. Das Nationale Palastmuseum (NPM) seinerseits muss eine Industrialisierung des Museums vorantreiben, wobei wir auf der Grundlage unserer reichen Sammlung und unserer fundierten Forschung mit Hilfe der Ideen moderner Unternehmensverwaltung und des Marketings Bündnisse mit anderen Industriezweigen eingehen, ein Image aufbauen, und eine Marke schaffen müssen. Modernisierung – weitergehender Einsatz der Computertechnologie Die Entwicklung der Computertechnologie hat weitreichende Auswirkungen. Das NPM muss auch in Zukunft weitere Anstrengungen unternehmen, mit Hilfe der Computertechnologie die Ausstellungen zu unterstützen, seine Bildungsfunktion zu verstärken, eine Kulturindustrie ins Leben zu rufen und eine Bildungswirtschaft zu entwickeln. Das NPM wird die bereits begonnenen Digitalisierungsprojekte weiterführen, zu denen die “digitale Sammlung”, das “digitale Museum” und “digitales Lernen” gehören, doch darüberhinaus wird es durch die Erschließung von Produkten mit kreativem Mehrwert die kreative Industrie im Lande beflügeln und mittels des Internets Kunstwerke aus 8000 Jahren chinesischer Geschichte auf der ganzen Welt zugänglich machen. Darüberhinaus hat das Nationale Palastmuseum in diesem Jahr Gelder für den Plan einer Ubiquitous Network Society (UNS) erhalten, mit dessen Hilfe die Qualität der Dienstleistungen des Museums verbessert werden soll. Das NPM versucht, den “Benutzer” zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen zu wählen und ein hochwertiges Internetumfeld für Kunst und Kultur zu schaffen, ein Museum höchster Qualität. Verjüngung – eine Bühne für die Jugend zur Verfügung stellen Das NPM ist ein Kunsttempel, der auf manche Leute möglicherweise erhaben und unerreichbar wirkt. Wir wollen uns in Zukunft bemühen, diesen Eindruck zu verändern und das NPM lebendig und jung werden zu lassen. Ein erstes Konzept ist es, die Plätze vor dem Eingang zum Erdgeschoss des Museums und beim Eingangsbogen jungen Leuten für Aufführungen zur Verfügung zu stellen. Junge Leute sollen auf diesen Plätzen Vorführungen aller Art geben sollen, wie z. B. Jazz-Konzerte, Popkonzerte, Modeschauen, Schlagzeugmusik, Ein-Mann-Theatervorführungen und Gedichtlesungen. Natürlich kann das NPM auch selbst in unregelmäßigen Abständen junge Künstler zu Aufführungen einladen. Da das NPM samstags auch abends geöffnet ist, kann das Theater der Wenhui-Halle für moderne, kreative Kunstvorführungen genutzt werden. So könnte man z. B. die Nanguan-Theatergruppe Han Tang Yuefu einladen, “Das Fest des Han Xizai” oder “Das Gedicht für die Flussgöttin Lo” vorzuführen, man könnte das Zeitgenössische Legendentheater, die Ming Hwa Yuan Kultur- und Kunstgruppe oder das Gloudgate Tanztheater einladen. Man sollte also geeignete Orte innerhalb- und außerhalb des Palastmuseums wie die Plätze, das Restaurant und die Wenhui-Halle nutzen, um aktiv auf das Publikum zuzugehen und den Jugendlichen eine Bühne für ihre Aktivitäten zu gewähren. Einrichtung eines “Entwicklungszentrums für kulturelle und kreative Industrien “ In den jüngsten Jahren haben sich die kulturellen und kreativen Industrien weltweit rasant entwickelt. Kultur und Kunst haben sich zu wertvollen Ressourcen der modernen Gesellschaft entwickelt. Die Sammlung des Nationalen Palastmuseums stellt ein kräftiges Fundament für die kulturellen und kreativen Industrien in Taiwan dar, weshalb wir dieses reiche Kulturerbe nützen und schnellstens ein Entwicklungszentrum für kulturelle und kreative Industrien einrichten sollten. In diesem Zentrum sollten u.a. kreative Werke von Meistern aus Ländern mit weit entwickelten kulturellen und kreativen Industrien ausgestellt werden, um die einheimischen Designer zu inspirieren. Es sollten auch regelmäßig Vorträge von kreativen Meistern veranstaltet werden und hervorragende junge Designer herangezogen werden, die an der kulturellen und kreativen Industrie den NPMs teilnehmen sollten. Gute Designprodukte des Entwicklungszentrums könnten dann einheimischen Herstellern zur Verfügung gestellt werden, um die Qualität und das Image ihrer Produkte zu verbessern, so dass das NPM zu einem Antriebsmotor für die Entwicklung der kulturellen und kreativen Industrien in Taiwan würde. Fortsetzung von Austausch und Zusammenarbeit auf internationaler Ebene Bei der Planung von Ausstellungen und der Förderung akademischer Forschung wird das NPM aufbauend auf den bisherigen Grundlagen weiterhin den Austausch und die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene vorantreiben. Erste Planungen sehen vor, dass im Oktober 2009 eine Sonderausstellung zum Thema “Glanzvolle Epoche” eröffnet werden soll, bei der Werke aus der Zeit der Kaiser K’ang-hsi, Yung-cheng und Ch’ien-lung gezeigt werden sollen. Gleichzeitig soll ein internationaler akademischer Kongress veranstaltet werden. Zur Feier des 100. Jahrestages der Gründung der Republik China (2011) soll eine Sonderausstellung zum Thema “Die wertvollsten nationalen Schätze” veranstaltet werden. Falls möglich soll es auch einen Austausch von Ausstellungen mit dem Vatikan geben. Für das Jahr 2013 ist eine Ausstellung über die Kunst der Südlichen Sung-Dynastie geplant, bei der Werke aus vielen berühmten Museen der Welt zusammen mit den besten Werken dieser Zeit aus der Sammlung des NPMs gezeigt werden sollen. Vorantreiben von Gesetzen, die eine professionelle Entwicklung des Museums fördern Die Modernisierung der Museen ist eine Zeittendenz, die Museen kümmern sich nicht mehr nur um ihre angestammten Funktionen der Sammlung, Bewahrung, Forschung, Ausstellung und Erziehung, sondern entwickeln sich in vielfältige Richtungen, wodurch sie zu Freizeitorten für die Bevölkerung und wichtigen Stützpunkten für die Entwicklung kultureller und kreativer Industrien werden. Um sich an diese Entwicklung der Museen anzupassen, ist der Einsatz und die Ausbildung von Talenten von größter Bedeutung. Das gegenwärtige Gesetzes- und Verordnungssystem ist jedoch nicht in der Lage, den Museen die von ihnen benötigten Fachkräfte zur Verfügung zu stellen, was einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Museen hat. Das NPM möchte daher in Zusammenarbeit mit dem Kabinettsausschuss für kulturellen Aufbau und den lokalen Kulturbehörden den Erlass von “Bestimmungen für die Anstellung von Kulturpersonal” beschleunigen. Auch die Ausformulierung eines weiteren Gesetzes, das von großer Bedeutung für die professionelle Entwicklung der Museen ist, nämlich das Museumsgesetz, muss mit aller Kraft vorangetrieben werden. Erst wenn diese beiden Gesetze erlassen sind, können die gegenwärtigen Probleme der Museen gelöst, die Qualität der Museumsverwaltung angehoben und die Fachkompetenz der Museen besser entwickelt werden. Schlusswort Museen des 21. Jahrhunderts müssen diversifiziert geführt werden. Das Nationale Palastmuseum als eine Organisation zur Sammlung chinesischer Kulturschätze muss nicht nur weiterhin seinen grundlegenden Aufgaben wie der Aufbewahrung, Erforschung, Ausstellung, Digitalisierung und der Kulturerziehung nachgehen, sondern auch neue Missionen erfüllen, wie die Förderung der Entwicklung von Kultur und Kreativität, die Umsetzung einer wissensbasierten Wirtschaft in die Praxis, das Heranziehen von Kulturtalenten, die Neubelebung der Kultur und die Verbesserung des nationalen Images. Der vollständige Text dieser Rede ist in der Monatszeitschrift des NPM vom Juli 2008 abgedruckt (“National Palace Museum Newsletter, Vol XXVI, Nr. 304, 2008). |