Blaue Elster und dornige Sträucher
Huang Chü-ts'ai (933- nach 993), Sung-Dynastie (960-1279) Hängerolle, Tusche und Farben auf Seide, 97 x 53,6 cm
Huang Chü-ts'ai (Großjährigkeitsname Po-luan) stammte aus Ch’eng-tu in der Provinz Szechwan. Er war der Sohn des berühmten Blumen- und Vogel-Malers Huang Ch'üan aus der Zeit der Fünf Dynastien. Er folgte dem Stil seines Vaters, der zunächst mit dünnen Pinselstrichen die Umrisse der Formen malte und diese dann mit Farben ausfüllte. Die Gemälde der beiden Huangs setzten den Standard für künstlerische Qualität in der Malakademie der frühen Sung-Dynastie (960-1279).
Dieses Werk ist ein ausgezeichnetes Beispiel für das Gleichgewicht zwischen Bewegung und Ruhe. Die blaue Elster im unteren Teil der Bildrolle z. B. scheint gerade auf den Felsen gesprungen zu sein und reckt ihren Hals, um das Wasser im Bach unter ihr zu trinken. Sie wirkt äußerst lebendig. Zu den bewegten Elementen gehören auch die Spatzen, die fliegen, kreischen oder beobachten, was unter ihnen vorgeht. Der dünne Bambus, der Adlerfarn und die zwei Grasbüschel im Vordergrund sind zum Teil nach links, zum Teil nach rechts geneigt, wie es nur möglich ist, wenn kein Wind weht. Sie vermitteln dem Betrachter ein Gefühl der Gelassenheit und Ruhe. Der Körper der blauen Elster auf dem Felsen im unteren Teil des Bildes nimmt von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende nahezu die gesamte Breitseite des Bildes ein. Der Hintergrund ist mit einem großen Felsen und Abhang, mit Spatzen, dornigen Büschen, Farnen und Bambus nahezu vollständig ausgefüllt. Das Schwergewicht der Komposition befindet sich in der Mitte der Gemäldes, ähnlich wie es in den Landschaftsmalereien der Nördlichen Sung-Dynastie üblich war. Der Mustereffekt des Arrangements hat eine dekorative Wirkung, die wiederum zeigt, dass der Künstler offensichtlich dem arachaischen und prächtigen Stil der Blumen- und Vogel-Gemälde der T’ang-Dynastie (618-907) folgen wollte. (T’an Yi-ling)