|
|
|
Elstern und Hase
Ts'ui Po (tätig in der zweiten Hälfte des 11. Jhr.), Sung-Dynastie (960-1279) Hängerolle, Tusche und Farben auf Seide, 193,7 x 103,4 cm
|
| |
Ts'ui Po, der aus der Provinz Anhwei stammte, verstand sich ebensogut auf die Darstellung taoistischer und buddhistischer Themen wie auf die von Personen, Landschaften, Pflanzen und Tieren. Besonders gelungen sind seine Werke aus dem Genre der Blumen-und Vogel-Malerei.
Dieses Bild zeigt zwei Elstern, die einen einzelnen Hasen ankrähen. Die Elstern, Verwandte der Krähen, sind sehr schlaue Tiere, die gerne in Scharen zusammenleben und die Gewohnheit haben, ihr Territorium zu verteidigen. In diesem Bild ist in der oberen rechten Ecke eine Elster zu sehen, die sich anschickt, auf einem Ast zu landen, um der anderen beizustehen, die lauthals kräht und die Flügel ausgebreitet hat, um den Eindringling einzuschüchtern. Dem Hasen scheint jedoch klar zu sein, dass die Elstern, anders als Adler, für ihn keine allzu große Bedrohung darstellen, weshalb er nicht besonders ängstlich wirkt. Er scheint sie vielmehr mit einem Ausdruck anzusehen, als wollte er fragen: “Kann ich diesen Weg wirklich nicht benutzen?” Die Stellung der drei Tiere zueinander bildet eine S-förmige Bewegungslinie. Ein starker Wind sorgt dafür, dass Zweige und Blätter, die Bambusstangen und das Gras alle in eine Richtung gebeugt sind, wodurch das Bild noch lebendiger wirkt. Eine solche Naturszene konnte nicht von einem geschlossenen Raum aus beobachtet werden, der Maler musste vielmehr über eine ausgefeilte Technik verfügen und oft Beobachtungen im Freien gemacht haben, wo er zufällig eine solche Szene beobachtete, diese zunächst skizzenhaft niederlegte, um dann anhand früherer Skizzen oder weitergehender Beobachtung nach und nach ein derartiges Meisterwerk mit feiner Detailarbeit zu schaffen. Dieses Bild wurde 1061 vollendet. |
| |
|
|